Ein Weinviertler Unikat: das "Striezel poschen"

Am 31. Oktober gehen auch in Österreich schon seit mehr als zehn Jahren viele Kinder gruselig verkleidet von Tür zu Tür und werden mit Naschsachen beschenkt. Aber im Weinviertel gibt es rund um Allerheiligen einen ganz anderen Brauch, der schon jahrhundertelang besteht: im Wirtshaus trifft man sich und spielt um einen Striezel (ein süßes Gebäck).

Allerheiligen Striezel mit Butter und Marmelade
Striezel poschen: es wird mit Würfeln um Striezel gespielt, und nach dem Spiel wird einer gleich verspeist.

Die Damen vom Turnverein Kreuzstetten pflegen den Brauch des Striezelposchens rund um Allerheiligen bereits seit 30 Jahren. "Das ist für uns ein Fixpunkt, wir treffen uns an unserem Turn-Donnerstag und würfeln um Striezel, da gibt es viel Gelächter und Spaß dabei," erklärt Obfrau Agnes Schertler. Die flotte Damenrunde erinnert sich daran, dass früher nur die Männer mit Schnapskarten um Striezel gespielt haben, und das seit ewigen Zeiten. Historische Aufzeichnungen geben bekannt, dass im Gasthaus Riedenthal im Jahr 1905 das althergebrachte Würfeln um das süße Gebäck durch Kartenspiel ersetzt wurde, vermutlich wollte man so neue Kunden anlocken. Außerdem hatte der gewonnene Striezel eine zusätzliche Bedeutung, wollte doch mancher Bursch diesen seinem Mädchen schenken. Die Schwierigkeit lag häufig darin, die kostbare Fracht heil aus dem Gasthaus hinauszubringen. "Außerdem wurde früher vom Tafpaten, auch Taufgöd genannt, zu Allerheiligen und Neujahr ein Striezel dem Taufkind überreicht," wissen die Kreuzstetter Turnerinnen.

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